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Thema: Vorurteile gegen (selbstständige) Apotheker

  1. #1
    Michael [S]
    Gast

    Vorurteile gegen (selbstständige) Apotheker

    Hallo,

    gerade habe ich bei Welt gelesen, dass im Schnitt pro Woche sechs Apotheken dicht machen (müssen). [Zum Artikel]
    Was mich erschreckt hat sind die Vorurteile gegen die selbstständigen Apotheker in den Kommentaren. Dort liest es sich als würde doch ein großer Teil der Leser denken, Apotheker würden sich eine goldene Nase verdienen bzw. es würde ihnen doch gar nicht sooo schlecht gehen und sie sollten sich mal nicht beschweren. Hier mal ein paar Kommentare:

    irgendwie kann ich da nicht in gleichem maße mitleid empfinden wie bei den schlecker-filialen
    Ja, genau, Versorgungsengpässe... mir kommen die Tränen... Ich fordere einen Rettungsschirm für notleidende Apotheker!
    Ich kenne Apotheker die dreimal im Jahr Urlaub machen, und schon so einige Immobilien gekauft haben. Von Notleiden keine Spur. Die ein oder andere Dorfapotheke mag aufgrund der Bevölkerungsschrumpfung Einbußen (kein Minusgeschäft!) haben, aber wenn man sieht, von welchem Luxus die Apotheken kommen, ist das nur gerecht.
    [...] Es werden zwar etwas weniger, sind aber immer noch zu viele. Das Wort "Versorgungsengpässe" trägt die Handschrift von Lobbyisten.
    Nur sechs Apotheken pro Woche? Das muß zügiger gehen..
    Ich bin etwas verwirrt. Wie schlecht geht es denn Apothekern wirklich? Wenn ich lese, dass unter Apothekern so gut wie keine Arbeitslosigkeit besteht, kann ich die Kommentatoren schon irgendwie verstehen. Aber warum gibt es dann (vor allen in Medien, welche die Apothekenbranche ansprechen) so viele Meldungen, dass es kaum noch möglich ist, eine Apotheke gewinnbringend zu betreiben und sowieso alles schlecht ist, was von der Politik kommt.

    Was stimmt denn nun und wie kommen die Leute auf solche Vorurteile gegen Apotheker?

  2. #2
    BvG
    Gast
    Als erste die Gegenfrage: Wer schreibt denn in den Foren? ........ Deutschland ist das Land der Neider.
    Ich denke am besten können Apotheker ihre wirtschaftliche Situation einschätzen. Viele der Leute die in den Foren schreiben haben von BWL keine Ahnung und wissen schon gar nicht wie sich der Rohertrag der Apotheke erwirtschaftet. Da ist Umsatz gleich Gewinn usw. Desweiteren sind viele Behauptungen über Apotheken inzwischen den urbanen Mythen zu zuordnen, die vor Jahrzehnten mal richtig waren aber aktuell nicht mehr der Realität entsprechen. Nur weil es in einer Branche keine Arbeitslosigkeit gibt heißt es noch lange nicht, dass es denen gut geht.
    Sicherlich gibt es heute noch Apotheken die einen ordentlichen Gewinn abwerfen, aber die Masse eben nicht mehr. Bei der Mehrzahl gerade der kleineren Apotheken verdient der Besitzer oft weniger als der approbierte Vollzeitangestellte, bei mehr Arbeitsstunden und vor allem vollen finanziellen Risiko, oft ohne Urlaub seit mehreren Jahren und vieles mehr....

    Warum ist das Bild in den Medien so schlecht? Apotheker sind Mittelständler, dh in der Regel konservativ/liberal politisch einzuordnen. Die Medien sind überwiegend links geprägt (gut das ist Schwarz/weiß-Sicht aber kommt nicht von ungefähr). Des weiteren sind gerade auch hier Lobbyisten am Werk die den Arzneimittelmarkt aus der Selbstständigkeit der Einzel-Apotheken in den Besitz der Großketten bringen wollen. Schlechte Presse bringt die Politik dazu das notwendige heiße Eisen der besseren Vergütung nicht anzufassen, dies führt dann zu dem erwähnten Apothekensterben. Ist die Versorgung auf dem Land erst einmal zusammengebrochen, wird groß und laut um Hilfe geschrieen und dann wird mit dem Hinweis auf das Fremdbesitzverbot und die geringe erlaubte Kettengröße Hilfe angeboten, wenn dann diese doch fallen sollten. Dringen Ketten wie DM-Drogerie oder die Metrogruppe oder ähnliche Unternehmen in diesen Markt werden die unabhängigen Apotheken den folgenden Preiskampf nicht überleben und die Arzneimittelversorgung wird in Deutschland ein anderes Gesicht haben. Ich gebe dem jetzigen System noch 5 Jahre dann ist es vorbei.......

  3. #3
    Unregistriert
    Gast

    ca. ein drittel...

    ... wird bald über die klinge springen - sofern sich an den rahmenbedingungen nichts ändert. die meisten älteren versuchen sich bis zur rente durchzuretten. die jüngeren sind gelackmeiert: kredit an der backe und die zahlen werden immer schlechter. eine normale apotheke in 1b-lage ist nicht mehr verkäuflich. jobs für apotheker gibt es derzeit noch genug. pta's und pka's werden probleme bekommen.

  4. #4
    herl
    Gast

    apotheke adhoc Nachrichten

    Vorurteile....

    ja davon können wir ein Lied singen!

    Jede 3. Apotheke steht aktuell mit dem Rücken zur Wand. Durch das AMNOG stehen viele Apotheken vor dem Ruin;
    Das Apothekensterben geht nur langsam voran, weil die Inhaber zum Beispiel nicht so schnell aus ihren Mietverträgen herauskommen.
    Aktuell gibt es ja die Diskussion über die Honorarerhöhung von 8,10€ um 0,25€ auf 8,35€ pro verschreibungspflichtigem Medikament.
    Das wären 190 € für ganz Deutschland.
    Viele Leute sagen nun, dass das viel zu viel ist und die Apotheker ja nicht genug bekommen können...

    Aber: Seit 2004 gab es keine Erhöhung mehr und die Belastungen durch das AMNOG haben das Übrige dazugetan!
    Dazu kommt dann noch, dass unsere Berufsvertretung die ABDA, aber auch die Apothekerkammern und Verbände nur Hinterzimmergespräche führen und nicht dazu in der Lage sind, mal auf den Tisch zu hauen und mehr für die Apotheker herauszuholen.
    Wenn das so weiter geht, wird es bald keine flächendeckende Versorgung mehr geben!

    Schaut euch mal das Video auf youtube von Frau Kossendey, 25 Cent an, hier erklärt Sie das ganze noch mal mit Fakten!
    Außerdem kann ich euch apothekerprotest.de empfehlen: eine Seite, auf der die Basis ums überleben kämpft!!!

  5. #5
    herl
    Gast
    Sorry, meinte natürlich 190 Millionen €

  6. #6
    ilka
    Gast

    Demonstration in Schleswig-Holstein

    Hi,

    war gerade auf den Seiten, die du hier aufgezählt hast.
    Das Video trifft den Nagel auf den Kopf! Echt klasse!!! (youtube: *25 Cent eingeben)

    Bei apothekerprotest.de muss man sich zwar erst anmelden, aber dann wird`s interessant...
    Man merkt, wie ernst die Lage ist. Es gab am Mittwoch bereits eine erste Demo in Schleswig-Holstein!

    Auf der Seite von apotheke adhoc gibt es aktuelle Nachrichten für Apotheker, werde mir die von nun an öfter anschauen.

    Danke

    LG Ilka

  7. #7
    Jensen
    Gast

    Wie sieht wirklich um uns aus?

    Meine Vorredner haben diesbezüglich alle recht.

    Macht euch ein Bild von unserer Situation auf www.apotheke-adhoc.de und unseren Seiten http://www.apothekerprotest.de/ und http://www.facebook.com/ApothekerProtest

    Für die Linkklickfaulen, hier im Folgenden vorgekaut:

    Laut Bundesamt für Statistik hat eine durchschnittliche Apotheke 2011 angeblich einen Gewinn vor Steuern von 150.000 Euro gemacht [1].


    Problem: Stimmt nicht. Sowohl Herr Hüsgen (der die Zahlen auf eindrucksvolle Weise nachgerechnet hat [2]) als auch jeder selbstständige Apotheker kann euch ein Lied davon singen. Aus meiner Sicht liegt das aktuelle Vorsteuerergebnis einer durchschnittlichen Apotheke für 2011 (womöglich 2012 noch niedriger!) bei rund 70 Tausend Euro im Jahr (= Umsatz ./. Mehr-/Umsatzwertsteuer ./. Wareneinsatz ./. Betriebskosten ./. Mitarbeitergehälter ./. Abschreibungen ./. Darlehenszinsen) [ './.' bedeutet abzüglich ]

    [3] Ein jährliches Vorsteuerergebnis von 70 Tausend Euro bedeutet gar nichts.

    Man ziehe bitte Steuern ab (-40%) macht noch 42 Tausend Euro,

    dann gehen hiervon BAV-Rentenbeiträge ab (als Apothekeninhaber muss man den Höchstsatz zahlen: 1097,60 Euro mal 12 Monate [=13171,2 Euro]) macht nur noch rund 28.8 Tausend Euro,

    davon gehen private Versicherungen (500,- bis 800,-/Monat [Selbstständige _müssen_ sich entweder Privat oder bei der GKV pflichversichern (Regelbeitrag ca. 650 Euro) lassen!) runter, bleiben noch 20 T Euro.

    Dies durch 12 geteilt bedeutet: Ein Nettoeinkommen eines Apothekeninhabers von rund 1700 Euro/Monat.
    Und das bei 70-80h pro Woche und dem kompletten finanziellen und persönlichen Haftungsrisiko der Apotheke mit seinem Privatvermögen.

    Wenn die Apotheke übernommen wurde, müssen hiervon noch Kredite abgezahlt werden (nur die Darlehenszinsen sind betrieblich absetzbar!). Das sind monatlich noch zwischen 1500 und 3000 Euro (je nach Größe der Apotheke bzw. dessen Kaufwert).

    Und dann landen wir bei einem monatlichen Netto-Gehalt von 200,- Euro bzw. einem Verlust von 1300 Euro/Monat.
    Wohl gemerkt, auf's Jahr gerechnet. Jeder Monat ist anders (gerade die Sommermonate sind grausig).

    Kein Wunder, dass sich (kleinere bis durchschnittliche) Apotheken heutzutage nicht verkaufen lassen bzw. keine Nachfolger mehr finden.

    Ich möchte Eure Vorstellungen aber nicht zu Grunde machen. Ihr seid schliesslich die kommende Generation. Wir hoffen aber, durch unseren Streik und unsere Arbeit euch auch die Zukunft in dem Beruf geben zu können. Jegliche Unterstützung ist somit willkommen


    Jensen Hsieh
    Oberstadt-Apotheke
    Hauptstr. 126
    77855 Achern


    [1] http://www.apotheke-adhoc.de/nachric...eslers-tabelle
    [2] http://www.deutsche-apotheker-zeitun...isch/8064.html
    [3] http://www.facebook.com/ApothekerProtest

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