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Thema: Befürchtungen vor dem Pharmaziestudium-berechtigt?

  1. #1

    Befürchtungen vor dem Pharmaziestudium-berechtigt?

    Hey Leute,

    ich interessiere mich sehr für ein Pharmazie-Studium, weil ich sehr wissbegierig bin und mehr über die Wirkungsweise der Medikamente im Organismus erfahren möchte.
    Außerdem liegt mein Interesse im naturwissenschaftlichen Bereich (Mathe LK und Chemie LK) und ich mache dieses Jahr mein Abitur.
    Ich würde gerne an der Universität in Düsseldorf studieren, jedoch habe ich einige Bedenken bezüglich des Studiums und der Laborpraktika. Ich bin generell ein sehr vorsichtiger Mensch und habe nicht unbedingt die Neigung, einen Unfall (oder mehrere) während des Studiums im Labor mitzuerleben oder gar meine Gesundheit zu gefährden, weil ich mit giftigen bis sehr giftigen Stoffen hantieren werde und versehentlich mögliche Dämpfe einatme, die meine Gesundheit in der Zukunft gefährden würden. In der Schule hat man ja bekanntlich nicht so viele Erfahrungen mit Labortätigkeiten gemacht, deshalb ist meine Frage hiermit, ob ich z.B. bei der qualitativen Analyse viele Probleme damit haben werde, ''zu vorsichtig'' mit Laborchemikalien umzugehen? Wie groß schätzt ihr die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall während der Analyse oder anderen Labortätigkeiten ein? Und schaffen es Leute wie ich mit so gut wie keiner praktischen Erfahrung das bekannte ''Ionenlotto'' ohne Probleme zu meistern, sodass man auch andere nicht gefährdet? Generell habe ich Angst, im Labor etwas falsch zu machen, sodass ich nicht nur mich, sondern auch andere gefährde. Und da ich öfters schon gelesen habe, dass man beim Praktikum praktisch ,,ins kalte Wasser geschmissen'' wird, habe ich Angst, es vielleicht nicht richtig zu machen oder es hinzubekommen, ohne im Labor zu versagen.
    Würdet ihr sagen, dass meine Befürchtungen da berechtigt sind? Ich weiß das klingt vielleicht ein bisschen lächerlich, weil man in allem, was man tut, ein Risiko erkennen kann, aber ich bitte trotzdem meine Sorgen ernst zu nehmen. Ich befinde mich in einer Zwickmühle bezüglich meiner Entscheidung zum Studium. Könnten vielleicht die, welche dort (oder auch woanders) studieren, mir von ihren Erfahrungen erzählen?

    Ich freue mich auf eure Antworten und bin euch sehr dankbar!
    LG

  2. #2
    Unregistriert
    Gast
    Hallo erstmal,
    zum Thema Unfälle im Praktikum kann ich nur sagen, es kommt natürlich drauf an was du als Unfall bezeichnest. Das man sich mal was über die Handschuhe schüttet oder ne Nase Ammoniak einatmet ist eigentlich unvermeidlich. Wenn man jedoch geistig bei der Sache ist und nachdenkt bevor man was tut, dann ist die Gefahr dass was schlimmeres passiert sehr gering. Giftige Stoffe wie beispielsweise Nitrosegase, Bromdämpfe und Arsin sollten sowieso grundsätzlich unter dem Abzug durchgeführt werden, dann passiert auch nichts.
    Zum Thema man wird ins kalte Wasser geschmissen kann ich sagen, dass es zum Teil richtig ist. Allerdings wirst du dir für jedes Praktikum ein zugehöriges Buch holen, das wirklich sehr viel hilft und mit dem eigentliche jedes Praktikum gut zu machen ist. Im Zweifelsfall stehen aber auch immer Assistenten bereit die dir jederzeit helfen.
    Ich hoffe ich konnte ein paar deiner Fragen beantworten und dir die Angst nehmen.
    Viel Glück falls du dich fürs Studium entscheidest!

  3. #3
    Unregistriert
    Gast
    Hi,
    Ich kann mich meinem Vorredner eigentlich nur anschließen - wenn man mit gesundem Menschenverstand bei der Sache ist, passiert (zu 99,9%) auch nichts.
    Klar gibt es immer wieder diese Leute, die dann doch zu leichtfertig mit allem umgehen, fröhlich ihren dunkelvioletten Sodaauszug mit HCl ansäuern und dann ihren Nachbar mit Chlorgas benebeln - aber selbst dann merkt man das mit besagtem Menschenverstand und kann für ne Minute das Weite suchen.
    Ja, man wird am Anfang ins kalte Wasser geworfen (jedenfalls war es bei mir so), aber ich hatte auch keinerlei Laborerfahrung, und bin bisher zum Glück unfallfrei. Es hängt auch nicht NUR alles davon ab wie viel Erfahrung du hast, sondern auch davon wie sorgfältig du mit den Sachen umgehst, und manchmal ist es auch einfach Glück oder Pech ob dir jetzt vielleicht etwas runterfällt oder nicht.
    Außerdem gibt es vor jedem Praktikum eine Sicherheitsbelehrung, bei der dir gesagt wird, was du machen darfst und was nicht, was du im Ernstfall tun sollst, wenn du oder ein Kommilitone sich verletzt hat usw.
    Ich meine mich auch zu erinnern, dass die Sicherheitsbelehrungen vor dem Quali- und Organikpraktikum besonder ausführlich waren - bei dem einen, weils das erste Mal im Labor war und bei dem anderen weil es da doch nochmal um andere Stoffe ging, mit denen man so bisher noch nicht gearbeitet hatte. Man wird also schon so gut vorbereitet, wie man es mit theoretischen Aspekten eben tun kann.

  4. #4
    Unregistriert
    Gast
    Hi,

    habe heute mein qualitatives Praktikum aus dem 1. Semester erfolgreich beendet und kann dir da vielleicht einen Einblick drauf geben.

    Wie eigentlich alle (außer den CTAs oder PTAs) fühlte auch ich mich am Anfang ins kalte Wasser "geschmissen". Meiner Meinung nach lag es aber daran, dass wir trotz "Sicherheitsbelehrung" nicht gut genug auf das Praktikum vorbereitet wurden. Es wurde also viel nach dem Motto "Learning by Doing" gelehrt, was mir nicht gut gefallen hat, weil dadurch viele vermeidbare Fehler gemacht wurden.

    Besser finde ich das Konzept, nach dem in den "Kochbüchern" vorgegangen wurde. Hier wird man an die Hand genommen und selbst "triviale" Sachen werden häufig ausführlich erklärt. Somit würde ich dir ebenfalls empfehlen, dir wie ich solche Bücher auszuleihen und auch von Anfang an zu lesen (dieser Teil wurde von vielen meiner Kommilitonen übersprungen).

    Sicher werden mir jetzt viele widersprechen und sagen, dass das nicht stimme. Aber für jemanden wie ich, der "nur" Grundkurs Chemie hatte und nicht wusste, was "Wasserbad" oder "Bleitiegel" ist, haben selbst einfache Geräte Probleme bereitet, da sie meiner Meinung nach nicht logisch sind (damit meine ich, dass sie nicht jeder Mensch in seinem Vokabular hat und man nicht auf Anhieb wissen kann, was sie bedeuten, auch wenn mir hier fast jeder widersprechen wird).

    Zum Sicherheitsaspekt kann ich dir sagen, dass du höchstwahrscheinlich super giftige Stoffe einatmen oder dir mal versehentlich über die Finger kippen wirst. Ein gutes Beispiel ist auch H2S, das super gefährlich ist und ständig im Labor eingeatmet wird (obwohl es sogenannte "Abzüge" gibt, an denen nicht immer gearbeitet wurde, wenn die mal voll waren). Ich weiß nicht, obs die Wahrscheinlichkeit auf Krebs erhöht aber leider denke ich ja. Es ist mir (und vielen anderen) aber inzwischen egal, weil sie nur das verdammte Labor fertigkriegen wollen :P


    Ich hoffe, dir ein wenig helfen zu können. Natürlich ist dies alles sehr subjektiv und viele machen andere Erfahrungen, aber dies waren meine und ich bin sicher, dass ein Großteil meiner Kommilitonen mir bei vielen Punkten recht geben würde

  5. #5
    Unregistriert
    Gast
    Ich hatte vor dem Praktikum die gleichen Befürchtungen.

    Fühlte mich auch sehr schlecht vorbereitet. Gab lediglich eine kurze Sicherheitsbelehrung. Ich war aber glaub ich auch von vornherein richtig planlos. Die ersten Versuche werden jedoch höchstwahrscheinlich ungefährlich sein. Dann wirds Schritt für Schritt gefährlicher, wobei gefährlich auch relativ ist. Bis auf ein paar Verbrennungen, ein paar Glasschnitte und ein paar vollgesauten Abzügen ist bei uns nichts passiert.

    Hatte am Anfang wirklich sehr, sehr viel Respekt. Hab dann jedoch gemerkt, dass mit gesundem Menschenverstand eigentlich nichts passieren kann. Gab auch keine heftigen Reaktionen, wenn man nach Vorgabe gearbeitet hat.

    Mit folgenden Tipps, solltest du zumindest die ersten Wochen überstehen:


    • feste Schuhe tragen
    • keine engen Hosen!
    • vor dem Labortag die H- und P-Sätze der zu benutzenden Chemikalien lesen.
    • bei konzentrierten Säuren, Basen Handschuhe (Nitril) anziehen
    • Gefäße und Pipetten mit der enthaltenden Substanz beschriften (z.B. HCl auf ein Becherglas)
    • anfangs evtl. nur unter dem Abzug arbeiten
    • nur die Hände in den Abzug stecken (niemals den Kopf) und ihn soweit wie möglich schließen
    • Abzug immer sauber und geordnet halten
    • wenn der Abzug nicht benutzt wird, komplett schließen
    • wenn etwas erhitzt wird, sollte immer jemand am Abzug stehen
    • den Bunsenbrenner immer mit großzügigem Abstand zu anderen Dingen positionieren
    • beim Erhitzen von Flüssigkeiten ein Siedestäbchen benutzen
    • Chemikalien nur geschlossen und in einem Eimer transportieren
    • beim Abwaschen vielleicht nicht direkt die Nase über dem Waschbecken
    • regelmäßig die Hände waschen
    • erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure
    • Flüssigkeiten vor dem Weggießen immer neutralisieren
    • und fragen, fragen, fragen! Es gibt immer Hiwis, Assis, Kommilitonen, die dir helfen und jede noch so dumme Frage beantworten. Vielleicht sind die nach der 10000 auch mal genervt, aber whatever, dafür sind sie ja da.

  6. #6
    Unregistriert
    Gast
    Man muss beim Thema Sicherheit auch immer Bedenken, dass nicht nur DU für deine Sicherheit verantwortlich bist, sonst auch das Drumherum an ANDEREN Leuten - und genau da fängt das Problem an! Du kannst dir noch so oft die Hände waschen und vorsichtig sein, das bringt wenig, wenn irgendwelche Doofbacken mit Diazoverbindungen offen herum laufen oder schon am ersten Tag Schwefelwasserstoff freisetzen (wie auch immer das möglich ist am ersten Tag) oder auch Phosgen im Ausguss produziert wird ...

    Daher in Ergänzung zu meinen Vorrednern noch ein Tipp:

    --> Stell / Setz dich in die Nähe von autochthon deutschsprachigen Mitstudenten - ich spreche da aus Erfahrung ... Was einem da von ausländischen Mitstudenten geboten wurde, war echt der Hammer ... aber wie will man auch irgendwas Verstehen, wenn man die Sprache nicht kann?

    In den ersten beiden Semestern ist es halt recht schmutzig, und man muss zumindest ein gewisses Stück weit damit leben sich die Hänge schmutzig zu machen. Immer lässt sich eine Kontamination nicht vermeiden - zumindest kenne ich niemanden. Mittlerweile sind aber auch relativ viele problematische Verbindungen tabu. Und man muss ja auch differenzieren: Kleine Verätzung mit HCl ... shit happens ... Kontamination mit CMR ... dumm gelaufen!


    Irgendwer hats geschrieben, und als Düsseldorfer kann ich das Ganze nur voll bestätigen: Man wird leider nicht gut vorbereitet auf Praktika im Allgemeinen, die Praktika werden zT dilettantisch organisiert und man wird auch nicht immer kompetent betreut. Zum Beispiel wurde das AC-Praktikum in Düsseldorf recht lange (oder sogar immer noch) hauptsächlich von Leuten aus dem Bereich des Molecular Modellings (Computerchemie) betreut, und bei solchen handelt es sich um Informatiker, bestenfalls Biologen ... wie da chemisches oder toxikologisches Wissen vorhanden soll ... ich weiß es nicht.

    Und gerade am Ende des Praktikums, wenn Angst und Panik regieren (weil es halt wieder sehr knapp wird), werden die guten Vorsätze schnell über Bord geworfen.

    Versagensängsten wirste dich stellen müssen, aber Versagen tut jeder mal im Labor. Ist ganz normal, ist auch nicht schlimm. Manchmal wage ich sogar zu behaupten, dass eigentlich nicht du Schuld sein dürftest, sondern die Proben falsch gestellt sind oder die Maßlösungen kontaminiert sind (man macht eine einfache Titration oder Brimborium ja nicht 4 x falsch ...). Mal davon ab kann man aus Fehlern auch ne Menge lernen. Aber auch wenns immer an dir liegen sollte, musste dir doch bewusst machen, dass das was du in pharmazeutischen Laboren während des Studiums machst zu 90% veralteter Schwachsinn ist, der so in der Realität keine Anwedung findet (Sichwort HPLC, MS, molekularbiologische Methoden, IR, UV-VIS ...). Von daher würde ich die Labore (von Sicherheit mal abgesehen) jetzt nicht überbewerten, Lernen tuste da jedenfalls so gut wie nichts.

  7. #7
    1234
    Gast
    Aber auch wenns immer an dir liegen sollte, musste dir doch bewusst machen, dass das was du in pharmazeutischen Laboren während des Studiums machst zu 90% veralteter Schwachsinn ist, der so in der Realität keine Anwedung findet (Sichwort HPLC, MS, molekularbiologische Methoden, IR, UV-VIS ...). Von daher würde ich die Labore (von Sicherheit mal abgesehen) jetzt nicht überbewerten, Lernen tuste da jedenfalls so gut wie nichts.
    ohje...ohje...ohje... Die in Industrie und Forschung meistverwendetsten Methoden bezeichnest du als veralteter Schwachsinn? Wenn man sich in der öffentl. Apotheke sehr wohl fühlt, wird man da tatsächlich kaum noch was mit zu tun haben. Aber deshalb braucht man die Methoden auch nicht so bewerten ;-)

    Versagensängsten wirste dich stellen müssen, aber Versagen tut jeder mal im Labor. Ist ganz normal, ist auch nicht schlimm. Manchmal wage ich sogar zu behaupten, dass eigentlich nicht du Schuld sein dürftest, sondern die Proben falsch gestellt sind oder die Maßlösungen kontaminiert sind
    Sehe ich auch nicht so. Kann natürlich von Uni zu Uni anders sein und sicher läuft nicht immer alles rund, aber Versagensängste haben mich nie geplagt. Den Titer deiner Maßlösung selbst bestimmen kann man übrigens auch immer machen, falls man denkt da passt irgendwas nicht.

    Natürlich wird man auch nicht perfekt auf ein Praktikum vorbereitet. Man studiert immerhin und kann/sollte sich das was man wissen muss selbst anlesen!


    Also Chrizzy,
    deine Angst ist nicht wirklich begründet. Die Unis achten hinter den Kulissen schon sehr auf Sicherheit und das meiste, was wirklich gefährlich ist, gibts schon gar nicht mehr im Praktikum. Ein bisschen Schwefelwasserstoff hat bisher niemandem geschadet und man riecht halt schon kleinste Mengen. Apotheker von damals haben die Pipetten noch mit dem Mund angesaugt und die Leben auch noch ;-)
    Ein bisschen sorgfalt im Labor und du wirst das überstehen. Ergo, wenn dich das Themenfeld interessiert, mach es!

  8. #8
    Benutzer
    Registriert seit
    05.09.2014
    Beiträge
    41
    Pharmaziestudent
    Zitat Zitat von Unregistriert Beitrag anzeigen

    • keine engen Hosen!
    @ Unregistriert: Wieso sollte man keine engen Hosen anziehen? :b
    Geändert von Michikichi (28.01.2015 um 16:18 Uhr)

  9. #9
    Vielen Dank für die zahlreichen Antworten!
    Zum Teil fühle ich mich beim Lesen der Beiträge ein bisschen verunsichert. Ich glaube ich muss mir das Studium noch einmal durch den Kopf gehen lassen und bezüglich der gesundheitlichen Risiken noch einmal abwägen, was besser ist. Das ist so schwierig, weil das Studium wirklich interessant klingt.
    Denkt ihr denn, es würde was bringen, wenn man sich z.B. vorher in der Bücherei ein Buch zur qualitativen Analyse ausleiht und schonmal vor dem Studium die ganzen Nachweise durchgeht? Und kennt irgendjemand Leute, deren Leben durch den Umgang mit Chemikalien während des Studiums oder bei der Arbeit in der Apotheke negativ beeinträchtig wurde?

  10. #10
    Unregistriert
    Gast
    Zitat Zitat von Michikichi Beitrag anzeigen
    @ Unregistriert: Wieso sollte man keine engen Hosen anziehen? :b
    Weil bei engen Hosen jegliche Substanzen schneller die Haut erreichen. Zudem kann es passieren, dass sich Haut und Stoff verbinden/verschmelzen.

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