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Thema: Kokser missbrauchen Apothekennotfalldienst

  1. #1
    Max Wielken
    Gast

    Kokser missbrauchen Apothekennotfalldienst

    Hallo,
    dies habe ich gerade durch Zufall gefunden und will es euch nicht vorenthalten. Ist vielleicht nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar (Schweiz), aber trotzdem interessant zu lesen. Geschrieben von Heidi Mühlemann (www.3-min.info)

    Apotheker C. hat Notfalldienst. Nachts um zwei wird er aus dem Schlaf gerissen. Ein Mann klagt über starke Migräne. Er habe das sonst nie, aber jetzt sei es ganz schlimm. Er brauche ein Medikament, egal was, Hauptsache, es hilft. Apotheker C. fährt also mitten in der Nacht in seine Apotheke. Dort lässt ihn der angeblich so sehr an Migräne leidende Kunde eine halbe Stunde warten. Dann fährt er mit dem Taxi vor. Apotheker C. fragt nochmals nach den Symptomen und empfiehlt dem Mann ein Mittel gegen Migräne. Ganz beiläufig meint der Mann, wenn er schon mal da sei, könnte er auch gleich etwas Natron mitnehmen, er habe ab und zu etwas Magenbrennen. Nach gut einer Stunde liegt Apotheker C. endlich wieder im Bett.

    In der folgenden Nacht reisst ihn erneut ein Anrufer mitten in der Nacht aus dem Bett. Migräne, ganz stark, geht nicht mehr ohne Medikamente. Apotheker C. wird hellhörig. Das Päckchen Natron von vergangener Nacht kam ihm rückblickend schon reichlich merkwürdig vor. Ein zweites Mal lässt er sich nicht reinlegen. Diesmal verlangt er die Telefonnummer des Anrufers und stellt klar, dass er kein Natron verkaufe, falls dies allenfalls auch noch gewünscht wäre. Das wirkt. Der Anrufer ist nicht mehr überzeugt, dass er seine Telefonnummer angeben will. Unvermittelt meint er, seine Frau habe soeben noch etwas gefunden gegen seine Migräne, und legt auf.

    Natron wird verwendet, um aus Kokainsalz die zum Rauchen besser geeignete Kokainbase herzustellen. Das wissen Apotheker. Aber selbstverständlich ist nicht jeder, der Natron oder Zitronensäure verlangt, ein Drögeler. Apotheker werden also bestimmt nicht bei jedem dieser an sich harmlosen Wünsche ein inquisitorisches Gespräch mit dem Kunden führen. Wenn allerdings Leute mitten in der Nacht etwas völlig anderes vorschützen, um ganz nebenbei auch noch Natron oder Zitronensäure zu kaufen, ist Zurückhaltung angesagt. Für solche Spielchen ist der Apothekennotfalldienst nicht da. Es ist Missbrauch einer kosten- und arbeitsintensiven Dienstleistung. Apotheker C. jedenfalls verkauft in der Nacht grundsätzlich kein Natron mehr und empfiehlt seinen Kolleginnen und Kollegen dringend, ebenfalls konsequent zu sein. Die Kokser werden dennoch zu ihren Substanzen kommen. Aber sie sollen zumindest wissen, dass man Apotheker nicht für dumm verkaufen sollte.

  2. #2
    Benutzer Avatar von Gaia
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    98
    Pharmaziestudent
    Hm, vielleicht wollte er auch nur ganz dringend einen Kuchen für seine Frau backen (am Tag gehts nicht; würde sie mitbekommen) und hat leider kein Backpulver mehr im Haus gehabt...

  3. #3
    Ich wusste gar nicht, was man alles mit Natron oder Zitronensäure machen kann! :-o

  4. #4
    Max Wielken
    Gast
    Ja, wobei ich aber den Aufwand nicht verstehe. Beides gibt es in größeren Mengen in jeden Supermarkt. Aber wie ich schrieb: Ich weiß nicht, ob das in der Schweiz auch so ist. Ich frage mich aber wirklich realistisch, wie das mit Drogenabhängigen ist, welche irgendwelche "Hilfsmittel" über eine Apotheke besorgen wollen. Wie geht man als Apotheker bzw. Mitarbeiter damit um?

  5. #5
    Wir haben bei uns im Landkreis zusammen mit der Kripo das Problem Einmal-Kanülen für Drogenabhängige besprochen., nachdem des öfteren Junkies entsprechende Kanülen und Spritzen in der Apotheke gekauft haben, denen man deutlich den Verwendungszweck ansehen konnte.
    Gemeinsam sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, das Einmalmaterial auch in dem Wissen der Anwendung abzugeben, da so wenigstens schwerwiegenden Infektionen vorgebeugt wird.
    Auch ich habe es schon den Fall, das Spritzen/Kanülen für wenige Cent im Nachtdienst verlangt werden. Und wer einmal erlebt hat, mit wieviel Nachdruck dies geschieht und auch gegen die Notdienstgebühr angebrüllt wird, beisst in den sauren Apfel und erlässt sogar noch die 2,50 aus Angst vor einer zerberstenden Schaufensterscheibe.
    (In meinem Fall habe ich nach knapp dreißig Sekunden Traktierens der Eingangstür mit Fußtritten die 2,50 großzügig "freiwillig" erlassen.)
    Gerade dieses Klientel kennt überhaupt keinen "Spass" , wenn es um die Beschaffung ihres Zubehörs geht.
    Glücklicher Weise passiert es dann doch recht selten im Nachtdienst.

  6. #6
    Apothekerin Avatar von 1981engelchen
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    Zitat Zitat von Kreuzapo Beitrag anzeigen

    Gemeinsam sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, das Einmalmaterial auch in dem Wissen der Anwendung abzugeben, da so wenigstens schwerwiegenden Infektionen vorgebeugt wird.

    Dieser Meinung bin ich auch. Verhindern können wir das Spritzen der Substanzen eh nicht, dann sollte man zumindest mit dafür Sorge tragen, dass sich keine ansteckenden Krankheiten übertragen, weil Spritzbesteck getauscht wird!

    Und zum Notdienst: Nicht nur die Junkies "nerven" einen da mit Wünschen, die nicht zwangsweise nachts um halb 3 erfüllt werden müssen. Habe auch schon Kondome verkaufen wollen / sollen, wo der junge Herr tatsächlich dann wieder gegangen ist, da ja die 2,50 € dazu kamen!! Oder die nette Dame, die nachts gegen 12 anrief und nach der Vorrätigkeit des tollen Seidenpuder von Dr.Hauschka fragte... dann doch lieber Spritzen und Vitamin C, da weiss ich zumindest, dass es grad wichtig ist...

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