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Thema: Wozu Additive/Füllstoffe ?

  1. #1
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    Gast

    Wozu Additive/Füllstoffe ?

    Hallo,

    kann mir jemand sagen, warum Medikamenten Füllstoffe/Additive zugesetzt werden ?
    Hab das gerade bei meinem Betablocker (Carvedilol) gemerkt.
    Hier nahm ich erst ein Präparat mit reinem Wirkstoff von 1a pharma und nun bei erneuter einlösung des rezeptes bekam ich carvedilol von einem anderen hersteller der dem eigentlichen wirkstoff aber zusätzlich sucrose und lactose zugesetzt hat !?

    Warum macht man das ? die tablette die ich nun nehme ist fast dreimal so groß wie die vorherige, enthält aber genauso 12,5 mg Carvedilol.

    Ich mein, nun nehm ich ja eigentlich neben dem blocker auch noch zucker ein und das zweimal täglich.. als wenn man nicht schon genug zucker zu sich nimmt.

    Wäre super wenn mir das jemand erläutern könnte, habs leider versäumt in der Apotheke zu fragen und das Internet gibt auch nich wirklich was her..

    besten dank im voraus


  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thomas
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    Pharmaziestudent seit 2010
    Naja warum werden Hilfsstoffe benutzt? Nun ein Medikament ist eben mehr als ein Wirkstoff. Was ich damit meine? Naja die Aufnahmewege für Medikamente sind beschränkt und irgendwie muss zum Beispield der Wirkstoff erst dahin transportiert werden. Stell dir mal vor du hast einen Wirkstoff der aber neutralisiert wird, sobald er mit Magensäure in Kontakt tritt, oder er soll erst im Dickdarm/Dünndarm freigesetzt werden, da brauchst du halt Hilfsstoffe um den Wirkstoff erst dahin zu transportieren. Oder du willst das der Wirkstoff einigermaßen kontinuierlich freigegeben wird und nicht gleich alles freigesetzt wird, was brauchst du? Genau Hilfsstoffe! Die pharmazeutische Technologie befasst sich mit sowas

    Also merke: Ein Medikament ist mehr als sein Wirkstoff

  3. #3
    Administrator Avatar von ooonja
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    Hallo,
    ich weiß nicht wie genau die Antwort sein soll - ich fange einfach mal an.
    Man unterscheidet verschiedene Hilfsstofftypen zum Tablettieren (also für die Herstellung von Tabletten):
    • Füllmittel
    • Bindemittel
    • Sprengmittel
    • Gleitmittel

    Füllmittel dienen z.B. dazu eine ausreichende Menge zum Verpressen zu haben. Wenn ich da an die 12,5 mg denke - das ist so wenig, das man es als Patient schlecht handhaben kann. Zu der Gruppe gehören auch die verwendeten Zucker. Bindemittel sind dazu da die Tablette zusammenzuhalten. Des Weiteren gibt es Sprengmittel, die dafür sorgen, dass die Tablette dann auch gut zerfällt und der Wirkstoff freigesetzt wird. Gleitmittel (ich fasse hier mal Fließregulierungsmittel, Schmiermittel und Formentrennmittel zusammen) sind dafür zuständig, dass die Tabletten nicht an den "Werkzeugen" hängen oder kleben bleiben, dass das zu tablettierende Pulver auch gut in die entsprechende Form (Matritze) fließt und die Tabletten nach der Pressung einen Glanz aufweisen.
    Thomas hat auch schon auf Überzüge hingewiesen (z.B. magensaftresistent). Diese bestehen dann auch aus vielen Stoffen - aber das würde jetzt zu weit führen.

    Es geht bei Tablettierhilfsstoffen vor allem darum, dass man eine Pulvermischung hat, die man gut verpressen kann. Nur wenige Wirkstoffe eignen sich zum Verpressen ohne andere Hilfsstoffe. Außerdem kann eine gewünschte Wirkstofffreigabe eine große Rolle spielen - wie bei Retardpräparaten, die besonders lange Wirkstoff freigeben. Was und wie viel man zusetzen muss, hängt vom Wirkstoff, dem Verfahren/Maschinen zur Herstellung ab und dem, was man erreichen möchte. Natürlich versucht man möglichst preiswerte Rohstoffe zu verwenden - und das sind Lactose und Saccharose eben. Wenn man davon ausgeht, dass eine Tablette meist nicht schwerer als 1 g ist und 12,5mg Wirkstoff enthalten sind, dann ist das ca. 1g Zucker - das ist ziemlich wenig im Vergleich zu dem Zucker, den man am Tag zu sich nimmt. Ich hoffe das hilft dir weiter.

    lg

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von Robert
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    Ooonja hat es ja schon ganz passend beschrieben. Ich kann dir nur sagen, dass du dir über eine Zuckerzufuhr durch Tablettenfüllstoffe wirklich keine Gedanken machen musst. Bei jedem Schluck Milch nimmst du mehr Lactose auf als durch deine Einnahme von Tabletten. Der Sinn von Tablettenfüllstoffen ist ganz einfach: Wenn der Wirkstoff nur in geringer Menge in der Tablette vorliegt (hier 12,5 mg) braucht man zusätzlich noch Füllstoffe damit man eine Tablette pressen kann.
    Die Hersteller können hingegen selbst bestimmen wie groß ihre Tabletten sind und damit der Anteil an Füllstoff ist. Im Endeffekt zählt der Wirkstoff, und dass die Tabletten in gleicher Weise den Wirkstoff freigeben können.

    Vielleicht kannst du ja beim nächsten mal dein erstes Carvedilol-Präparat wieder bekommen. Sag einfach die Firma beim Einlösen des Rezeptes und wenn du Glück hast, ist dieser Hersteller im Rabattvertrag deiner Krankenkasse, wodurch es kein Problem darstellt, dass du das Ausgangspräparat wieder erhälst.

  5. #5
    Unregistriert
    Gast
    Vielen Dank für eure Mühe bezüglich der ausführlichen Antworten !

    Was die beiden unterschiedlichen Präparate angeht hat sich bei mir mittlerweile auch ein Licht aufgetan: soll heißen im ersten Präparat war ebenso Lactose und einiges andere zugesetzt, allerdings wurden hier die Zusätze nicht auf der Packung "beworben".
    Und was die Größenordung milligramm betrifft..da habt ihr natürlich recht was die Vernachlässigbarkeit angeht..jaja ein gramm hat tausend milligramm, habs mir wieder vergegenwärtigt :-)

    Naja wie auch immer..also nochmals danke für eure Mühe ;-)

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