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Thema: Aus der Szene in die Offizin.

  1. #1
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    PTA-Azubi

    Beitrag Aus der Szene in die Offizin.

    Hallo ihr :-}
    Ich habe dieses Jahr meine Ausbildung in NRW begonnen, wo genau ist irrelevant..
    Kurz zu mir:
    Ich bin 20 Jahre alt, bin mit 12 Jahren als schwererziehbar, hochintelligent und aufgrund von ADHS voll mit Ritallin ins Heim gekommen. Mit 13 Jahren rauchte ich meinen ersten Joint, bald folgte dann täglicher Konsum. Dann so mit 16 Jahren mit Dingern und Pep angefangen (“Ecstasy“ und “Speed“, MDMA und Amphetamin), Verschiedene andere Phenethylamine (Meskalin, 2C-B, vieeeeeeele andere 2C-Stoffe, MDE, PMA, 3MMC, 4F-A, uvm), Pilze, Trüffel, allerhand Forschungsdrogen (u.A. MDPV, Alpha-PVP, 2C-T7, 3C-BZ, 3C-FBZ, Bromo-DragonFLY, uvm) und ab und zu Crystal (“Meth“, Methamphetamin). Mit 17 dann auch viel LSD und mit 18 dann auch von Zeit zu Zeit Koks. Irgendwas vergessen? Ach ja! 2 mal auch Shore (Heroin, jedoch stark gestreckt, von brauner Farbe), einmal durch die Nase, einmal auf nem Blech geraucht. War aber eher enttäuscht, war immer mehr der Psychedelika-Typ.
    Verdammt, das klingt immer so übel, ich meine es war auch übel aber bei weitem nicht so schlimm wie man nun denken mag. Ich bin nunmal ein extrem neugieriger Mensch, und Stoffe bzw deren Wirkung auf den Menschen haben mich schon immer irgendwie interessiert.
    Ich bin eigentlich extrem behütet und liebevoll aufgewachsen, von mir wurden solche Sachen extrem gut ferngehalten. Interessiert und fasziniert haben mich Drogen trotzdem seit dem Tag an dem Ich erfuhr dass es sowas gibt. Ich war damals 10 glaube ich, als in den Nachrichten über einen großen Drogenfund berichtet wurde. Unwissend fragte ich meine Mutter was “Drogen“ seien, worauf diese mir in gewohnter Ruhrpottmanier die Antwort “Das sind verbotene Sachen die die Verbrecher nehmen. Da gehst'e kaputt dran und wirst dull im Kopp.“, entgegen warf. “Okeeeeeey“, dachte ich mir, immernoch genauso schlau wie vorher.
    In den Jahren danach nutzte ich die unbeobachteten Stunden am PC nicht wie gleichaltrige zum Zocken, sondern druckte hunderte Seiten Berichte, Fachartikel, Tripberichte, Lebensgeschichten, sogar Sicherheitsdatenblätter, Evtl Monographien und alles was man zum Thema Drogen finden konnte und las diese dann “heimlich“ abends im Bett.
    Als ich dann ins Heim kam, kam zur Theorie die Praxis....
    Ich kann jedoch sagen, dass ich die meisten Drogen nur einmal aus Neugierde ausprobiert habe, und dass ich zwar Süchtig nach dem Kiffen war, nach dem Rest aber nicht; Pep hab ich nur auf Party genommen um fit zu bleiben oder in der Schule (Besser als jedes Ritalin der Welt), hatte da aber nie sowas wie Craving(Suchtdruck) oder ähnliches. Beim Koks heißt es zwar immer es könne beim Erstkonsum süchtig machen, jedoch ist es imo so, dass das Zeug einfach nur pulverisierte, pure Gier ist. Wer's mal ausprobiert hat wird wissen was ich meine, deshalb seh ich das auch nicht als Sucht, sondern als “Normal“ bei Koks.
    Das Meth hatte ich auch immer gut im Griff, habs auch nur ein paar mal genommen, ist halt dasselbe wie Pep....nur voll vor die Wand.
    Naja jedenfalls habe ich mich auch vorher immer EINGEHEND mit jeder Substanz, ihrer Wirkungsweise, ihren Risiken usw beschäftigt BEVOR ich diese konsumiert hatte.
    Mit 15-16 (Mein “Theoretisches Studium“ ging natürlich kontinuierlich weiter!) Löcherte ich meine Biolehrer mit Diskussionen über 5HT-Rezeptoren und Rezeptorwirkungsweisen allgemein, ein Thema, welches meine halbe jetzige PTA-Klasse nicht versteht.
    Ich nannte mich immer einen “Junkie mit Stolz und Köpfchen“.
    Irgendwann war es so weit, dass die Druffis und Junkies hier in der Gegend sich bei Fragen an mich wandten, da ich trotz meines jungen Alters die meiste Ahnung von (fast) egal welcher psychoaktiver Substanz habe.
    Großdealer baten mich darum ihnen zu zeigen wie man sein Speed von Streckstoffen befreit, alle Welt will immer mich als Tripsitter (Jemand der auf einen Trippenden aufpasst) wenn sie was neues ausprobieren und so weiter...
    Eines Tages gelangte ich auf meinen üblichen, wissenshungrigen Streifzügen durchs Netz zufällig über Monoaminooxidasehemmer zu “normalen“ Pharmaka (Ich glaube das erste waren Beta-Blocker) und merkte, dass deren Wirkmechanismen ja genauso interessant sind wie die der Drogen, auch wenn diese keinen Psychischen Effekt haben den ich “testen“ konnte.
    Damit wusste ich, dass ich irgendwie in der Pharmazie arbeiten wollte.
    Das war so mit anfang 19, als ich gerade an meinem Fachabitur für Ernährung und Hauswirtschaft war
    Dort flog ich, da ich nur noch An wie 5 Ampeln in der Schule saß. Da dies schon meine zweite wichtige Zukunftsperspektive in Folge war, die meinem Konsum zum Opfer gefallen war, war ich zunächst völlig fertig, holte mir nen halben Bubble Koks (0,5g), nen Fuffi Gras und 2 Sunshine Acids (LSD, jedoch nicht als einzelne Papierschnippsel wie normal....ok, doch eigentlich schon, nur bestehen Sunshines aus 4 Pappen, welche dann ein Motiv ergeben).
    Der Trip war die Hölle.
    Das Acid nahm den Scherbenhaufen in den ich mein Leben verwandelt hatte, legte ihn auf ein Silbertablett, stellte mir dieses auf den Schoß und zwang mich hinzusehen.
    Mir wurde schlagartig bewusst, dass es so nicht weiter gehen kann, wieviele Menschen sich mittlerweile von mir abgewendet haben, was ich schon alles verloren habe und was ich noch verlieren werde wenn ich so weiter mache.
    Das war vor einem Jahr.
    Ich habe einen Entzug gemacht und den Drogen abgeschworen. Ich hatte von diesem Tag an einen Traum, für den es sich lohnte hart zu arbeiten:
    Mit Medikamenten arbeiten.
    ..... Nicht um mich daran zu berauschen oder sie generell zu konsumieren, sondern einfach weil es mich fasziniert, wozu Stoffe mit welchen ausgeklügelten Mechanismen in unserem Körper in der Lage sind, ob Psychoaktiv oder nicht.
    Ich besuche regelmäßig die Treffen der Narcotics Anonymous (Anonyme Drogensüchtige) und habe auch alle Verbindungen zur Szene gekappt, was ziemlich einsam macht (meine normalen, ehemaligen Freunde wollen nix mehr mit mir zu tun haben und die, die es wollen sind Szene - das will ich nicht).
    Ich lebe mein Leben so normal weiter wie es geht, auch wenn ich weiß, dass nichts mehr wie früher wird. Ich hatte einen Rückfall mit Dingern kurz nach meinem 20., es blieb jedoch bei dem einen Mal.
    Ich halte regelmäßig Rücksprache mit meiner Schulleiterin darüber wie's läuft, da sie merkt dass diese Ausbildung mir wichtig ist und sie findet, dass jeder eine Chance verdient. Ich bin auf extrem schrägem Wege in die Pharmazie gekommen, “Was soll's?", Sagt sie da nur.
    Auch mit unserem Amtsapotheker hatte ich schon ein Gespräch diesbezüglich, wobei er weitaus skeptischer ist als unsere Leiterin.
    Naja, nun werde ich bald 21 und will nun hier weg.
    Ich will diese Stadt hier verlassen und den ganzen Mist hinter mir lassen, denn wie soll ich die Vergangenheit hinter mir lassen, wenn mich jede Laterne daran erinnert? Ich kriege IMMERNOCH regelmäßig Besuch von den Gesetzeshütern und habe meine Wohnung nun kündigen müssen, da mein Ruf hier der eines asozialen Dealers ist und mich die Nachbarn deshalb von Anfang an rausekeln wollten.
    Ich will einen Neuanfang, denn nun habe ich meine Pharma-Ausbildung.
    Deshalb meine Frage:
    Kann man die Ausbildungsstätte wechseln?
    Wenn ja:
    Wo kann ich eine Liste mit den Lehranstalten in NRW einsehen, bzw deren Schulgeldkosten?
    'Tschuldigt den langen Text ._.

  2. #2
    Studi Avatar von Nachi
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    Hier eine Übersicht für alle Bundesländer: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=109
    Bezüglich des Wechsels würde ich wahrscheinlich bis zum Ende des Ausbildungsjahres warten. Sollte es aber wirklich dringend sein, wäre ein Anruf bei der PTA-Schule deiner Wahl ratsam. Schulgeldkosten können dann auch direkt mit erfragt werden.

    edit: http://www.bvpta.de/bvpta/berufsbild/pta-schulen/
    Noch etwas zum Nachschauen und vielleicht kann der Verband selber auch vermitteln bzw. weiterhelfen.
    Geändert von Nachi (28.10.2015 um 11:47 Uhr)

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Avatar von Linalool
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    Aus Interesse: Muss man nicht eine ärztliche Bescheinigung zur Berufstauglichkeit einreichen, wenn man die Ausbildung anfängt?
    Edit: Und nach der Ausbildung musst du doch auch eine Erlaubnis beantragen, überhaupt in dem Beruf arbeiten zu dürfen. Da brauchts du wieder die Bescheinigung, dass du körperlich und geistig gesund und frei von Suchtkrankheiten bist. Außerdem noch ein polizeiliches Führungszeugnis.
    Da würde ich mich mal genau informieren.
    Geändert von Linalool (28.10.2015 um 14:10 Uhr)

  4. #4
    Studi Avatar von Nachi
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    Zu Beginn braucht man das nicht. Erst zusammen mit dem "Gesundheitszeugnis" vom Arzt muss man ein Führungszeugnis beantragen. Die PTA-Schule hat uns da glaube ich vorgaben gemacht, wo genau man das beantragen sollte, aber es wurde ja nun nicht explizit erwähnt, dass es zu Strafanzeigen o.ä. kam. Sollte allerdings vorher abgeklärt werden. Ich weiß nämlich leider nicht mehr, was noch "ok" war und ab wann man nicht mehr zur Endprüfung zugelassen wurde.

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Avatar von Linalool
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    "Ich kriege IMMERNOCH regelmäßig Besuch von den Gesetzeshütern "
    Hatte es so interpretiert. Sollte man rechtzeitig klären.

  6. #6
    Studi Avatar von Nachi
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    Da hast du aber ausgelassen, dass gleichzeitig die Wohnung erwähnt wurde. Ich hatte es nun so verstanden, dass ihn die Nachbarn raushaben wollen und man muss nicht unbedingt vorbestraft sein, damit die Polizei häufiger mal reinschneit. Es sei denn, dass wirklich gedealt wurde. Dann ist das gleich 'ne andere Geschichte, wenn die Polizei das auch so aufgenommen hat.

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Avatar von Linalool
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    Mh..naja wissen können wir es ja eh nicht.

  8. #8
    Leidensgenossin
    Gast

    ...

    Hallo!

    Ich schreibe mein Anliegen einfach mal hier, da es thematisch denke ich ganz gut passt und mein Werdegang deinem, Delysid, ähnelt (nur nicht ganz so krass würde ich sagen ). Ich habe mich auch schon immer für Drogen und Medikamente interessiert. Schon als Kind sah ich mir die Medikamentenverpackungen genauer an, weil ich wissen wollte, wie der Wirkstoff wirklich heißt, was er macht usw. Als ich acht war wurde uns tatsächlich in der Schule die Wirkungsweise diverser Drogen erklärt, Folgen usw. selbstverständlich auch, aber ich dachte nur „wow, das klingt ja total cool, muss ich unbedingt machen!“ und so nahm das Schicksal seinen Lauf

    Zum größten Problem wurden bei mir jedoch die Opioide. Habe ich mir natürlich von Ärzten verschreiben lassen, weil kostenlos und so. Also alles ganz easy... bis auf das Überzeugen der Ärzte von den unerklärlichen starken Schmerzen , polizeilich oder so bin ich jedoch nie aufgefallen. Mit 20 landete ich schließlich in ner Drogenklinik, Entzug und Therapie gemacht, das ist nun bald schon 10 Jahre her... im Großen und Ganzen wars das mit meiner Drogenkarriere dann auch. Aber geheilt bin ich auf keinen Fall und allgemein habe ich bis heute psychische Probleme (Borderline, Depressionen).

    Nach der Klinik habe ich zunächst mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt, ein Studium begonnen, ein Kind bekommen, Studiengang gewechselt und da stehe ich nun. Das Studium ist sehr zeit- und lernintensiv (Naturwissenschaft) und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich es nicht schaffen werde. Aufgrund meines Kindes (und meiner diversen Störungen) kann ich auch nicht Vollzeit studieren und es würde einfach noch viel zu lange dauern bis ich fertig bin, was vor allem im Hinblick auf mein Alter und dass ich mich nicht selbst finanzieren kann, ein wirkliches Problem darstellt. Abgesehen davon möchte ich auch gerne in den nächsten Jahren noch ein weiteres Kind bekommen, was definitiv mit meinem Studium und sehr wahrscheinlich auch mit meinem potentiellen späteren Job nicht vereinbar wäre.

    Kommen wir endlich zum Punkt. Ihr könnt es euch sicher schon denken. Ich möchte eine Ausbildung machen und das einzige, was mich wirklich interessiert ist die Ausbildung zur PTA . Ich bin mir sicher, dass mir diese Arbeit gefallen würde. Aber ich habe natürlich Angst. Davor, dass meine Vergangenheit doch irgendwie rauskommt, dass ich keine Stelle bekommen werde, aber vor allem davor, dass mich der freie Zugang zu allen Medikamenten irgendwann dazu verleiten könnte, etwas mitgehen zu lassen. Meine Frage ist nun, ist das überhaupt so einfach möglich? Es fällt schließlich auf wenn was fehlt. Und man ist schließlich nie allein, oder doch? Ich möchte hier ausdrücklich noch mal sagen, dass ich das auf gar keinen Fall vorhabe! Ich weiß was es bedeuten würde wenn das rauskommt. Auch mein Kind hält mich natürlich vor sowas ab. Und meine Abhängigkeit ist viele Jahre her. Aber wie gesagt habe ich ein bisschen Angst vor mir selbst. Sicherer würde ich mich fühlen, wenn ihr mir sagt, dass das ganze total gut überwacht wird und ich gar nicht ohne aufzufallen die Möglichkeit haben werde mich zu bedienen.

    Also was meint ihr, kann ich diesen Schritt wirklich gehen??

    Und wie ist es bei dir Delysid, falls du das noch liest, bist du dir sicher, dass du mit den Drogen abgeschlossen hast? Du bist noch sehr jung und dein letzter Rückfall ist anscheinend nicht lange her (was kein Vorwurf sein soll)... Auch dass deine Schulleitung von deiner Vergangenheit weiß finde ich sehr interessant, ich hätte gedacht, dass man das um jeden Preis verschweigen sollte Wie kam es dazu es ihr zu erzählen?

    Danke fürs lesen

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