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Thema: Gesundheitsreform - Kostentreiber Pharmaindustrie

  1. #1
    Administrator Avatar von ooonja
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    Gesundheitsreform - Kostentreiber Pharmaindustrie

    Hallo zusammen,

    habt ihr zur Zeit der Einsparungen im Gesundheitssystem auch das Gefühl, dass die Pharmaindustrie öfters als "die Bösen" dargestellt werden? Ich stelle das jetzt mal bewusst überspitzt dar.

    Wenn es bei politischen Talkshows à la Maybrit Illner um das Thema Gesundheitskosten, -reform geht, ist die Pharmaindustrie immer einer der "Buhmänner". Was mich persönlich daran stört - dass man den Unternehmen u.a. vorwirft, dass sie Profite in Milliardenhöhe erwirtschaften. Sicher geht es hier um Gesundheit und es ist natürlich ein Unterschied, ob man sich ein lebensverlängerndes Medikament nicht leisten kann oder eine Espressomaschine. Das ist schon klar, aber wir leben nun einmal im Kapitalismus - ob das nun gut oder schlecht ist sei einfach mal dahin gestellt.
    Wenn man keine neuen Medikamente haben wöllte, dann würden die Kosten für Arzneimittel auch nicht steigen. Aber wir wollen nun einmal länger leben und immer bessere Medikamente und das gibt es einfach nicht umsonst. Ich finde der Punkt wird gerne vergessen. Und schließlich muss man mit einem Arzneimittel, dass dann endlich auf den Markt kommt, auch die anderen Fehlentwicklungen bezahlen.

    Was meint ihr zu der ganzen Diskussion über das Gesundheitssystem, die Pharmaindustrie ect.?

  2. #2
    Apothekerin Avatar von Kirsten
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    Apothekerin seit 2007
    Das Gefühl habe ich allerdings auch!
    Wenn ich jmd erzähle, dass ich Pharmazie studiere, werde ich meist indirekt dafür verantwortlich gemacht, dass es den Kranken so schlecht geht und die Krankenkassen immer mehr Geld verlangen! Und ob es den nötig sei, dass die Medikamente soo überteuert in Deutschland sind. Und warum dabei sogar manchmal Tiere sterben müssen.

    Einerseits wollen alle billigere Medikamente, andererseits werden die Anforderungen an die klinischen Studien und an die Entwicklung/Forschung immer weiter erhöht.
    Alle reden davon, dass Arzneimittelsicherheit wichtig sei, aber vor allem muss sie billig sein. Und wenn dann was schief geht, wird die Pharmaindustrie verantwortlich gemacht.
    Wird gespart, bleibt jmd zwangsläufig auf der Strecke! Was in der Gesundheit leider meist der Patient ist.

    Viele sind gegen Tierversuche, vergessen aber auch, dass geforscht werden muss, um Alternativen zu schaffen - kostet Geld.

    Ich denke, dass einige "Theoretiker" den Bezug zur Realität und Praxis verloren haben und sich das immer leichter vorstellen, als es umsetzbar ist.

    Ich will nicht sagen, dass alles, was die Pharmaindustrie macht, super toll ist. Aber es ist auch nicht alles schlecht! Und gerade im Gesundheitswesen haben viele ihre Hände drin, nicht nur die Pharmaindustrie.
    Geändert von Kirsten (27.09.2010 um 12:24 Uhr)

  3. #3
    Ich glaube, dass es für die Medien einfacher ist "Klischees" zu bedienen, als differenziert und unabhängig zu berichten. Es geht ja auch nur um Einschaltquoten und Auflagensteigerung. Da ist es halt einfacher, die landläufige Meinung der ganzen "Laien" zu vertreten (siehe Bildzeitung). Und die Pharmaindustrie wird halt als "böse" und "geldgierig" dargestellt. Ich denke, dass die Pharmaindustrie schon nicht so ohne ist, aber ohne sie gäbe es viele wichtige Medikamente gar nicht. Das Problem ist halt, dass die Pharmaindustrie mindestens genauso profitorientiert ist wie die meisten anderen Industrien auch. Nur, hier geht es um die Gesundheit von Menschen, deshalb wird das Gewinnstreben wohl als unmoralisch gesehen und viele Sachen werden dann auch entsprechend aufgebauscht. Z.B. diese Vitamin B12 Creme, die ja ein wahres Wundermittel sein soll, aber von der Industrie nicht vertrieben wurde, weil das ja schlecht für den Umsatz anderer Mittelchen gewesen wäre. Ich hab da, ehrlich gesagt, schon etwas den Durchblick verloren, aber was ich so am Rande noch mitgekriegt hab, gibt es mit der Creme auch gewisse Probleme.
    Was ich persönlich aber viel schlimmer finde, ist, dass man auch gleich als Pharmaziestudent mit der "bösen" Pharmaindustrie in einen Topf geworfen wird (wie von Kirsten ja auch schon erwähnt). Da muss man, kaum dass man das erwähnt hat, sich gleich für alles, was im entferntesten mit Pharmazie zu tun hat, rechtfertigen. Dabei wissen einige gar nicht, dass die meisten, die Pharmazie studieren, später mal Apotheker werden wollen .
    Es wirdaber auch auf den Apothekern herumgehackt. Letzte Woche wurde bei "Plusminus" im Ersten einige sehr interessante "Fakten" über Apotheker verbreitet (hatte darüber auch schon im Thema "Apothekenrabatte) geschrieben. Demnach betreibt die ABDA sehr viel und sehr erfolgreich Lobbyarbeit bei der FDP, was man sogar im Koalitionsvertrag sehen könne. Da ist angeblich fest verankert, dass der Versandhandel von Medikamenten eingeschränkt werden soll, usw. Aber das beste kam zum Schluss als ein gewisser Herr Glaeske behauptete, dass die Apotheker bisher bei allen Reformen sehr gut weggekommen wären, im Gegensatz zu den Ärzten usw. :exclamation:
    Wäre ja schon fast lustig, wenn diese Sendung niemand gesehen hätte, der das womöglich auch noch glaubt.

  4. #4
    Ach, nun auch hier?

    Leute, als erstes, hört auf euch zu rechtfertigen...frei nach dem Motto: Nur getroffene Hunde bellen.
    Meine Standartantwort zu dem Thema ist inzwischen: Wer frei von Schuld in diesem Staat, der werfe den ersten Stein.
    Zweite Antwort: mmmh, ich habe zuvor auch bei ner Krankenkasse gearbeitet....jaja...lala
    Und ganz gut kommt auch die Umlenkung des Themas auf Politiker, Manager oder ganz aktuell Bänker...lol
    Lasst euch einfach nicht mehr auf solche Diskussionen ein....weglächeln!!!
    Geändert von Mena Troirrat (27.09.2010 um 13:21 Uhr)
    Vor Gebrauch, bitte schütteln!

    Nach Schütteln nicht mehr zu gebrauchen!

  5. #5
    Sagt ja keiner, dass es nicht überall schwarze Schafe gibt, sowohl bei den Politikern als auch bei den Apothekern .
    Rechtfertigen bringt ja meistens doch nix, da die meisten eine sehr fest gefahrene Meinung haben und meistens sind meine Diskussionspartner auch erheblich älter als ich
    Die lassen sich ja nix von jemandem um die 20 sagen... hab ja eh keine Ahnung vom Leben
    Ich find das ganze halt sehr bedenklich, weil mir genau sowas aufzeigt, wie einseitig oftmals berichtet wird. Und ich kann ja das ja auch nur von meinem eigenen "Fachgebiet" sagen. Ich will gar nicht wissen, was man in anderen Bereichen an Müll zu hören bekommt :-/

  6. #6
    Noch einen guten Tipp hätte ich....einfach Verständnis für die Bedenken des Gegenüber zeigen und das auch sagen und dann fragen: Woher hat er seine Informationen und was sind das für Informationen und entweder erfährt man was, wo man dann explizit drauf eingehen kann und eventuell gegenteilige Aspekte konstruktiv aufzeigen kann oder dein Gegenüber merkt schnell selbst, wenn er nur Klischees daher labert und nicht wirklich Ahnung hat.

    Noch eine gute Antwort wäre auch: Zeig mir in unserer Gesellschaftsform ein Unternehmen, dass nicht Gewinn-orientiert arbeitet!
    Ach, auf solche Klischeedinger eingehen oder eben nicht eingehen, macht mir inzwischen richtig Spass.

    PS: Warum sind denn Medikamente in Deutschland teurer als in manchem Ausland??? Na? Na? Wer kennt die Antwort?
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  7. #7
    Das Problem ist aber doch, dass man sich leider meist nicht vernünftigt mit den meisten unterhalten kann. Es gibt ja genug, die alles was in irgendwelchen Klatschmagazinen publiziert wird auch wirklich für bare Münze nehmen (unabhängig vom Thema). Und die gehen dann mit ihrem gefährlichen Halbwissen hausieren und lassen sich auch nicht belehren, schon gar nicht (wie erwähnt) von nem Pharmaziestudenten Anfang/Mitte 20 (obwohl man ja andererseits,kaum das man seinen Studiengang erwähnt hat, gefragt wird was man bei dem und dem Wehwehchen nehmen soll ).
    Ich hab aber leider auch, seit dem ich mich mit pharmazeutischen Themen befasse, oft feststellen müssen, dass auch auf "seriösen" Sendern wie den öffentlich rechtlichen viel Müll erzählt wird. Aber dadurch, dass es auf eben diesen Sendern gebracht wird, steigt quasi die Glaubwürdigkeit.
    Dann gibt es ja auch noch genug Leute, die vor lauter Angst vor den Pharmafirmen in die Hände von irgenwelche "Naturheiler" etc. flüchten und sehr bedenkliche "Medikamente" einnehmen.Ich hatte mal ein Referat über Silber gehalten und in dem Zusammenhang bin ich auf "kolloidales Silber" gestoßen, was manche gegen alles mögliche nehmen. Bin ehrlich gesagt nicht sonderlich davon überzeugt, zumal eine Nebenwirkung bei sehr hohen Mengen die irreversible bläuliche Verfärbung der Haut darstellt :s.
    Deshalb finde ich es schon sehr wichtig, über sowas zu diskutieren, gerade weil es um so ein wichtiges Thema wie Gesundheit geht. Im schlimmsten Fall kann es ja wirklich soweit gehen, dass die Leute Angst vor den Pharmafirmen bekommen oder sonst irgendwie Paranoia .
    Aber wie schon erwähnt, ich will deshalb nicht alle Machenschaften der Pharmaindustrie gutheißen und schon gar nicht verteidigen
    Und ich finds gut, wenn man hier sich mit anderen Pharmazeuten oder Interessierten zu eben dem Thema austauschen kann, was, glaub ich, auch am Anfang so gedacht war

  8. #8
    Administrator Avatar von ooonja
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    Zitat Zitat von AlterEgo Beitrag anzeigen
    Und ich finds gut, wenn man hier sich mit anderen Pharmazeuten oder Interessierten zu eben dem Thema austauschen kann, was, glaub ich, auch am Anfang so gedacht war
    Richtig

    Es ist oft einfach aussichtslos sich mit Leute zu unterhalten, die auf ihre Lebenserfahrung pochen und alles andere sowieso nicht zählen lassen. Was ich aber noch schockierender finde - wenn man erzählt, dass man Pharmazie studiert und das Gegenüber nicht weiß was Pharmazie eigentlich ist :exclamation:


  9. #9
    "Aha, du studierst Pharmazie. Und was macht man damit???"
    Schon ein paar mal gehört. Noch besser find ich aber, wenn die Leute sagen: "Um Apotheker zu werden muss man studieren? Was machen die denn so besonderes? Die verkaufen doch nur"

  10. #10
    Gast0210
    Gast
    Ich denke, dass am negativen Image der Pharmaindustrie schon auch was Wahres dran ist. Habe mal einen Bericht gesehen, wo ein Medikament mehrere hundert Euro gekostet hat, als noch ein Patent drauf war. Als dann die ersten Nachahmer-Medikamente auf den Markt kamen, lag der Preis plötzlich nur noch bei um die 5 Euro!!!
    Das finde ich schon Wucher, selbst wenn die Entwicklung einiges gekostet hat. Gewinnstreben schön und gut, aber nicht zu Lasten der Allgemeinheit. Allerdings gehöre ich nicht zu denen, die der Pharmaindustrie was vorwerfen - finde eher, die Politik müsste da regulierend eingreifen.

    Bei den Apothekern kann ich in dem ganzen kein direkt negatives Image erkennen - Ausnahme sind die Testkäufe bestimmter Verbrauchermagazine, wo regelmäßig festgestellt wird, wie schlecht doch die Beratung ist
    Bisher hatte ich den Eindruck, dass Apotheker hauptsächlich als Gruppe wahrgenommen werden, die ihre Pfründe um jeden Preis verteidigen wollen, z.B. in Bezug auf Versandhandel, Apothekenketten etc.

    Wie ist das eigentlich heute geregelt? Habe hier in der Stadt "DocMorris" und "Pharmaplus" - Apotheken gesehen, die ein bisschen der McDonalds-Typ unter den Apotheken zu sein scheinen. Gibt's die jetzt überall? Ich dachte, ein Apotheker darf nur bis zu 3 Apotheken besitzen, da kann es doch solche Ketten gar nicht geben, oder wie funktioniert das???

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