• Wanna become a 'sächsi' pharmaceutist?

    Auf nach Leipzig, dem einzigen Ort weltweit in dem es möglich ist, diesen Titel zu erwerben! Leipzig ist mit seinen 500.000 Einwohnern die größte Stadt im Bundesland Sachsen. Abgesehen von der langen Industrie- und Handelsgeschichte der Messestadt wurde Leipzig vor allem im Rahmen der Friedlichen Revolution 1989 auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die zweitälteste Universität Deutschlands feierte letztes Jahr in Leipzig ihr 600jähriges Jubiläum. Wunsch und Ziel der Uni ist es, vor allem mehr Studenten aus den alten Bundesländern anzulocken, deshalb wurde im letzten Jahr die Kampagne mit humorvollen Titel "Studieren in Fernost" gestartet. Leipzig wirbt neben dem umfangreichen Lehrangebot besonders damit, dass für die Studenten keine Studiengebühren anfallen, lediglich €91 pro Semester sind mitunter für das Studentenwerk und die Verkehrsbetriebe zu entrichten. Dafür bekommt man z.B. in den Mensen gutes günstiges Essen und kann auch ohne den Erwerb eines Semestertickets täglich von 19 bis 5 Uhr morgens und an den Wochenenden ganztags kostenfrei Straßenbahn und Bus innerhalb der Leipziger Zone 110 fahren. Wer nicht genug bekommt kann zusätzlich ein Semesterticket für €81,10 für die Stadt Leipzig, bzw. €92 für das gesamte LVB Netz käuflich erwerben. Ebenfalls ist der Wohnungsmarkt in Leipzig entspannt, bei rechtzeitiger Bewerbung stehen die Chancen auf einen der über 5000 Wohnheimplätze recht gut, aber auch ein WG-Platz oder eine kleine zu Uni zentral z.B. im Stadtteil Reudnitz oder Südvorstadt gelegene Wohnung stellen eine kostengünstige Alternative dar. Eher ironisch behaftete Kurse in Sächsisch und sächsischen Gewohnheiten sollen das Eis zwischen Ost und West gänzlich brechen.

    Derzeit sind 26.000 überwiegend junge Menschen an der "Alma mater lipsiensis" eingeschrieben, darunter circa 150 Studierende der Pharmazie. Anhand dieser geringen Anzahl ist festzustellen, dass die Semesterstärke für Pharmazie relativ klein gehalten wird (maximal sind 50 Plätze zu vergeben) und man somit keine Angst vor überfüllten Hörsälen, Seminaren oder Mangel an Laborplätzen haben muss. Ein weiteres Plus ist die teils intensivere Betreuung innerhalb eines Semesters durch Dozenten und Assistenten, aber auch untereinander funktioniert die Kommunikation meist besser wenn der Kurs überschaubar ist.

    Das erste Semester beginnt jeweils im Wintersemester. Jeder Ersti bekommt am Einführungstag (immer der zweite Montag im Oktober) die Möglichkeit, sich am Institut für Pharmazie von den Drittsemestern herumführen zu lassen. Hier werden schon erste Kontakte geknüpft und einige Löcher in den Bauch gefragt. Der Stundenplan ist anfangs entspannt, man soll sich langsam an den Unialltag gewöhnen. Hilfestellung bietet die Patenschaft der Drittsemester über die "Neuen" an der Fakultät, aber auch ein eigens angefertigtes "Erstiheft" klärt so manche Probleme und Unklarheiten und gibt einen Überblick über das gesamte erste Jahr. Der Fachschaftsrat Biopharm (diese Konstellation aus Pharmazeuten, Biochemikern, Biologen und Bio-Lehrämtlern gibt es nur in Leipzig!) organisiert jedes Jahr eine Erstifahrt sowie seit diesem Jahr auch einen "Erst Hilfe Abend" wo man zahlreiche Fragen stellen und neue Leute kennen lernen kann. Um die verschiedenen Semester zusammenzuführen und den Austausch voranzutreiben gibt es jedes Jahr ein Sommerfest (organisiert vom 2.Semester), sowie eine Weihnachtsfeier (vom 5.Semester geplant und durchgeführt). Darüber hinaus findet im ersten Jahr auch ein Patentreffen statt.

    Das Institut für Pharmazie ist ca. 15 Gehminuten von der Innenstadt entfernt, Straßenbahn- und Bushaltestellen sind ganz in der Nähe. Die Räumlichkeiten sind renoviert und beherbergen neben teils moderner Technik viel Wissen und Geschichte. Wilhelm Ostwald, Svante Arrhenius, Jacobus van't Hoff, Walther Nernst und Ernst Otto Beckmann sind nur einige Namen, die Leipzig als damalige Chemie-Hochburg geprägt haben und in genau diesem Gebäudekomplex an der Brüder-, Ecke Talstraße in der Nähe des Universitätsklinikums zu noch heute bekannten und angewandten Theorien und Erkenntnissen gekommen sind.

    Man muss nur über den Innenhof gehen um zur Unibibliothek, Zweigstelle Biowissenschaften, zu gelangen. Hier findet sich ein so umfangreicher Bestand an für das Studium relevanten Büchern, dass man nur sehr selten in Verlegenheit kommt, ein Buch käuflich zu erwerben, weil die Büchersätze recht hoch gehalten sind. Falls dies doch einmal der Fall sein sollte, ist gleich gegenüber des Instituts die studentenfreundliche Lehmanns-Fachbuchhandlung. Diese bedankt sich mit Aktionen und Gewinnspielen sowie manchmal auch mit Spendengeldern für die o.g. Feste für den Umsatz, der zum Großteil durch die Studenten erzielt wird. Einen Katzensprung entfernt ist der Copyshop Zimo. Hier finden sich nicht nur Altklausuren im Semesterordner, auch Skripte der Professoren werden teilweise dort hinterlegt und müssen käuflich erworben werden. Eine "Zimo-Semestercard" vergünstigt den Einkauf um 10%.

    Leipzig ist eine aufregende, studentenfreundliche und dadurch auch sehr junge Stadt. An fast jeder Ecke wirbt der Einzelhandel mit Rabattaktionen für Studenten, besonders um das Studentenwerk und die Wohnheime drängen sich die Werbeanzeigen aus dem Bereich Gastronomie und Textilhandel. Neben den vielen Freizeitangeboten wie Baden und/ oder Entspannen an einen der vielen Seen (Leipzig ist als das Neuseenland bekannt) bzw. Parks (15% der Stadt sind Grünfläche!), einen Besuch im Zoo oder im Kletterwald, sowie den vielen Diskotheken und Bars kommt auch die Kultur nicht zu kurz: das Völkerschlachtdenkmal, das Grassi-Museum, die Kunstgalerie, das alte Rathaus, die Oper und das Gewandhaus bieten alles, wonach einem gerade der Sinn ist. Ein Highlight im Jahr ist natürlich der große über der Innenstadt verteilte Weihnachtsmarkt mit dem weltgrößten Adventskalender sowie die vielfältig musikalischen Openairs im Sommer. Oft hat man in Leipzig das Gefühl, dass die Menschen nicht nebeneinanderher leben, sondern eine große Gemeinschaft sind in der Werte wie gegenseitige Achtung, Frieden und Freundlichkeit heute noch genauso zählen wie vor 20 Jahren.
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